Wo sich Arbeit und Leidenschaft vereinen…

Geschrieben von Andrea Wissel-Romefort.

Was passiert, wenn drei Wein-Freunde eines Tages einen Weinberg angeboten bekommen? Sie kaufen ihn! Und dann?

Türk und Freunde

Türk und Freunde

Der Herr Brohl, der Herr Greis und der Herr Türk, Freunde aus alten Tagen, jeder in seinem eigentlichen Beruf fest etabliert, griffen zu, als sich ihnen die Gelegenheit bot, einen „preußischen Morgen“ – wie sie den viertel Hektar Weinberg nennen – in guter Mosellage zu kaufen.

Einer von ihnen, der Herr Brohl, ist hauptberuflich bereits Winzer und macht sehr guten Bio-Wein. Das hat den Vorteil, dass die Freunde ihren Wein dort bei ihm im Keller keltern und reifen lassen können, ohne sich die teuren Spezialgeräte selbst anschaffen zu müssen, denn das würde die finanziellen Möglichkeiten der Hobbywinzer doch überfordert haben. Der Ertrag liegt so ca. bei 1500 Flaschen, genug, um etwas davon verkaufen zu können, doch zu wenig, um davon irgendwelche größeren Investitionen bezahlen zu können. Es reicht aber, die Töchter des Herrn Greis als Weinköniginnen mit Wein auszustatten. So hat der Zauber&Lay Riesling classic der Weinbaugemeinschaft Brohl Greis Türk trotzdem einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Investiert wird dennoch, zur Zeit werden 900 Weinstöcke ausgerupft und neu angelegt und dabei auf die praktischeren und qualitätsverbessernden Drahtrahmen gezogen. Die traditionelle Herzchenform verschwindet, dafür erleichtert es aber die Pflege der Pflanzen. Das ist viel Arbeit und wird die Freunde ca. eine Woche lang auf Trab halten.

Überhaupt ist dieses Hobby ziemlich arbeitsintensiv. Rebschnitt und Ernte sind Pflichttermine. Besonders die Ernte stellt die Freunde immer wieder vor ein Timing Problem. Die Lese findet Ende Oktober statt. Doch da die Erntehelferschar aus Freunden der Freunde besteht, die extra anreisen müssen, liegt der Termin immer an einem Sonnabend. So kann es sein, dass der optimale Erntetag 2-3 Tage früher oder später liegt. Aber da das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund steht, wird eben am verabredeten Tag geerntet.

Weinberge Türk

Weinberge Türk

Der Lohn für die Helfer besteht in Bewegung in frischer Luft, Abwechslung vom Alltag und – besonders geschätzt- im gemeinsamen Essen. Die Lese beginnt so gegen 8 Uhr morgens. Spätestens jedoch um 9 Uhr. Um diese frühe Stunde sind aber meist nicht alle Erntewilligen zur Stelle. Naht die Zeit des Mittagsessens, schließen sich jedoch die Reihen. Herr Greis ist Koch und bereitet in der Feldküche Sauerbraten zu. Nach dem Essen wird weiter gearbeitet. Gegen 16 Uhr wird dann der Wein zum Keltern gebracht. Das dauert dann noch mal bis gegen 21 Uhr. Dabei braucht man aber nicht mehr so viele Helfer. Die feiern derweil im Hof oder im Keller bei reichlich Wein und köstlichem Essen die Ernte. Man kann sich vorstellen, dass das Lohn genug für die 15 – 25 Hobbyerntehelfer ist. Aber zusätzlich bekommt jeder noch eine Kiste Zauber&Lay.

Natürlich sind die drei Freunde nicht ganz frei von Ehrgeiz. Ihr Ziel ist es, einen guten Wein herzustellen. Der Herr Türk, als Weinhändler mit viel Erfahrung auf diesem Gebiet, beschreibt ihn als leicht, frisch süffig, geprägt vom Schieferboden. Ein typischer Moselriesling mit Terroirgeschmack. Es gibt aber auch noch ein paar Flaschen Spätlese. Stolz schwingt in der Stimme mit, wenn der Herr Türk über die Teilnahme am „best of Riesling Weinwettbewerb 2003“ spricht. Ihr Wein hat eine gute Bewertung bekommen. Das ist für Hobbywinzer durchaus ein fantastisches Ergebnis. Allerdings können sie auf Grund ihrer geringen Produktion oft nicht an Wettbewerben teilnehmen, denn sie müssten mit ca. 600 Flaschen teilnehmen, da bliebe dann hinterher außer der Bewertung nix mehr übrig.

Um von einem Weingut leben zu können, bräuchte man ungefähr 4-5 Hektar. Die Herren Türk, Greis und Brohl haben nicht vor, sich zu vergrößern. Aber wer weiß, was die Zukunft noch bringt. Herr Türk junior ist im zarten Alter von 2 Jahren dabei gewesen und redet immer noch voller Begeisterung davon, wie schön es war, die frisch geernteten Trauben in der Hand zu halten und dabei auf dem Trecker mitzufahren.